Public Enemy ohne Album bei SellaBand
11 Dec
SellaBand möchte unabhängigen Musikern eine Plattform bieten, auf der sie Investoren finden können, die die Produktion ihres nächsten Albums fördern. Auch die bekannte Hip-Hop-Crew “Public Enemy” hat sich bei SellaBand versucht. Bislang ohne Erfolg. Kann das Modell überhaupt klappen?
Public Enemy, die ihre größten Erfolg Ende der 80er und Anfang der 90er feierten, sind vielleicht eine Nummer zu groß für SellaBand. Das Konzept der Plattform richtet sich eher an kleinere Künstler. Musiker können sich registrieren und ihre Musik vorstellen. Fans (oder “Believer”) können anschließend Parts erwerben und so in die Produktion eines Albums investieren. Wird die kritische Größe von 50.000 Dollar erreicht, geht der Artist ins Studio. Dabei ist es den Gründern, die zuvor bei Sony/BMG gearbeitet haben, wichtig, dass die Musiker alle Rechte an ihrem Werk behalten. Seit 2007 haben 25 Sänger und Bands so Alben produziert, weitere 16 befinden sich in der Produktion.
Die Fans, die in ein Album investieren, erhalten neben dem fertigen Album, Anteile am Verkauf der Platte und ggf. bestimmte Extras. Die Rückleistung ist freilich von der Investition abhängig. Wird eine kritische Größe über einen längeren Zeitraum nicht erreicht, kann ein Fan die Investition per Mausklick zurückziehen. Üblicherweise verkaufen die Künstler ihre Parts für 10,00 Dollar pro Stück. Erst ab 1.000 Parts kann ein Investor mit einer Beteiligung von unter 3% an den Einnahmen rechnen.

Public Enemy sind das ganze alles ein wenig größer angegangen. Statt den üblichen 10,00 Dollar pro Part, haben die Rapper 25 Dollar angesetzt und wollen auch satte 250.000 US-Dollar sehen, um mit dem Album in Produktion zu gehen. Erstaunlicherweise ging das Konzept auch anfangs auf: Dank intensiver Medienberichterstattung erhielten die Jungs um Flava Flav wenige Wochen nach der Ankündigung durch 700 Fans eine Investition von 50.000 US-Dollar. Doch seitdem hat sich der Prozess verlangsamt. Bislang steht man bei 71.625 Dollar.
Kollege Jörn von myoon hat seine Wette, das Ding sei nach einem Monat im Kasten, entsprechend verloren. Wer weiß, ob das Geld überhaupt noch zusammen kommt. Eventuell ist schlichtweg das Ziel zu hoch gesetzt, auch wenn Public Enemy mit verschiedenen Backstage Pässen interessante Extras geboten hat. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass SellaBand ein sinnloses Modell sei. Auch wenn durchschlagender Erfolg bei allen Künstlern bislang ausblieb, ist es immerhin ein höchstspannender Ansatz, der dem einen oder anderen vielleicht die Möglichkeit für Größeres bietet. Irgendwann.


Ich bin seit fast zwei Jahren Believer bei SellaBand und habe schon diverse Musiker mit großen Ambitionen an den Start gehen (und scheitern) sehen. Ich glaube aber, es ist etwas früh von einem Misserfolg für PE zu sprechen.
Sicherlich ist es ein schwieriger Weg und meistens viel Arbeit, um Fans zu überzeugen, Geld zu investieren. Bei manchen Musikern geht das recht schnell (Ellie Williams – 50.000 $ in 50 Tagen, Hind – 40.000 € in 11 Tagen), bei einigen kann das mehr als zwei Jahre dauern (z.B. Slim Void aus Norwegen).
Gebt Public Enemy einfach etwas Zeit, das Konzept für sich arbeiten zu lassen. Ich denke, dass man hier nicht mit der Brechstange rangehen kann. Man muss als Musiker einfach immer wieder auf sich aufmerksam machen – den Hype hoch halten. Das ist, wie im richtigen Leben, das ganze Geheimnis auch bei SellaBand.
Zusatz:
Dass mittlerweile 40 Künstler ihr Ziel erreicht haben (zugegeben, nicht immer 50.000 $), zeigt doch, dass das Konzept SellaBand funktioniert.
Ich wundere mich aber, dass Public Enemy nicht ebenso schnell zu ihrem Album gekommen sind. Vielleicht sind deren Maßstäbe (250.000 $) einfach zu hoch angesetzt.
Dass SellaBand ein guter Anfang für Indies ist möchte ich aber gar nicht bezweifeln – welches Label gibt, siehe Beispiel Hint, schon 40.000 $ innerhalb von 11 Tagen!?